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No Architecture

Nachhaltigkeit und Effizienz stellen im Kontext des Klimawandels für viele Architekten zentrale Themen dar. So auch für Anne Lacaton und Jean Philippe Vassal: Eingeladen von der Architectural League of New York sprachen sie am 12. September 2017 am Parsons Institute über ihr architektonisches Schaffen.

 

Text: Alexander Luckmann – 21.9.2017
Fotos: Philippe Ruault

 

Ökonomisches Bauen
Gebannt lauschten die rund 500 Zuhörer in der Alvin Johnson Hall der Designschule Parsons den abwechselnden Ausführungen von Lacaton und Vassal. Das Pariser Büro konzentriert sich seit Karrierebeginn auf sozialpolitische Themen. Seine wohl radikalsten Projekte sind die Sanierungen von Sozialwohnungen, die es in der französischen Kapitale (2012) und in Saint-Nazaire (2011) realisiert hat. Mit dem Anbau modularer Wintergärten kreierte es zusätzlichen wie auch komfortableren Wohnraum. Gleichzeitig verhinderten Lacaton & Vassal den Abbruch bestehender Gebäude. Kostengünstiges Bauen hat für die beiden Architekten oberstes Prinzip – so kostete ihre Neuinterpretation nur rund ein Drittel des geplanten Abriss- und Neubauprojekts. Diese Wohnungen sind Musterbeispiele für die intelligente, bescheidene Architektur des Pariser Büros, das nur dort interveniert, wo es notwendig erscheint. Sie bezeichnen ihre Philosophie auch als «No Architecture», verzichten sie doch auf perfekte Geometrien, künstlerisch legitimierte Farbkonzepte oder aufwendige Details.

 

Respekt vor dem Vorhandenen
Lacaton & Vassal realisieren aber auch grössere, öffentliche Projekte wie die neue Architekturschule in Nantes (2009) oder die Kunsthalle FRAC in Calais (2015). Hier zeigt sich die Ökonomie ihrer Methode weniger. So fehlt der Architekturschule die Rigorosität. Beim FRAC war der Auftrag, eine riesige Schiffshalle mit mehreren Zwischenebenen zu versehen, um Ausstellungsraum zu schaffen. Die Architekten waren aber von der immensen Halle derart beeindruckt, dass sie diese intakt liessen und nebenan ein gleichförmiges Glasgebäude entwarfen. Die Zwillingsgebäude harmonieren perfekt miteinander und die Sprache des alten Industriegebiets wird in die neue Rolle als Kunstsaal übersetzt. Wie Jean Philippe Vassal sagte: «Die Stadt bietet allerlei Eingriffspunkte. Man muss sich nur die Zeit lassen, sie wahrzunehmen.»
Zeit – das hatten Lacaton und Vassal nach dem auf die Vorlesung folgenden Kurzgespräch mit Rosalie Genevro, der Direktorin der Architectural League, leider nicht mehr. Das französische Duo musste zum Flughafen eilen und konnte daher keine Zuhörerfragen beantworten. Beim interessierten Publikum war die Enttäuschung darüber sichtlich spürbar.

 

> Anne Lacaton wurde von der ETH Zürich zur ausserordentlichen Professorin ernannt.

Veranstaltung

Inside Monadnock

Job Floris spricht am 12. Okotber 2017 im Rahmen von archithese kontext im Architekturforum Zürich.

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