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Die Essenz der Architektur

Wie schlagen sich Christ & Gantenbein als Möbeldesigner? Ihre Athens Series ist bis zum 18. Juni 2017 zusammen mit Kreationen von Trix + Robert Haussmann sowie Christoph Hefti an der Design Miami/Basel zu sehen. In Auftrag gegeben wurden die Kleinserien von Amaryllis Jacobs und Kwinten Lavigne aus Belgien. Die beiden locken Gestalter mit dem Auftrag unkonventionelles Mobiliar zu entwerfen und in wohnlichen Setups zu präsentieren, aus der Reserve – stets mit dem Ziel Einblick in deren Entwurfsprozess (als Architekten) zu erhalten.

 

Text: Anne-Dorothée Herbort – 13.6.2017

 

Künstler und Architekten als Möbeldesigner
Jacobs und Lavigne besitzen eine Galerie in Brüssel. 2014 riefen sie das Format Maniera ins Leben, in dessen Rahmen sie Künstler und Architekten einladen, Möbelstücke zu gestalten und zu präsentieren. Durch diese ungewöhnlich Aufgabenstellung möchten sie zu Aussagen über persönliche Sprache und konzeptionelle Methodik der Protagonisten gelangen. Bis zum 18. Juni 2017 ist Maniera mit Kreationen von Christ & Gantenbein, Trix + Robert Haussmann und Christop Hefti an der Design Miami/Basel – eine Messe, die parallel zur bekannteren Art Basel stattfindet – vertreten.

  

Diskurs um die Autorenschaft anregen
Den Ausgangspunkt für ihre Möbelserie Athens Series – ein Tisch, ein Hocker und ein Beistelltisch – bildete ein hölzerner Hackblock, den Christ & Gantenbein auf einem Fischmarkt in Athen gefunden haben. Ausgehend von der scheinbaren Banalität – dem objet trouvé – lesen sie den Block als «anonyme Architektur». Sie untersuchten das Objekt, erkannten seine Tektonik und verfeinerten das System, um einzelne Blöcke zu einer Fläche zu verbinden. Anschliessend wurden diese verfremdet, indem sie mit einer feinen Marmoranputzschicht bedeckt wurde. So wurde aus «anonymer Architektur» eine bewusste gestalterische Setzung.
Doch welche Message verbirgt sich hinter diesem Vorgehen? Emanuel Christ und Christoph Gantenbein wollen mit dem Aufgreifen «anonymer Architektur» und der Weiterentwicklung einen Diskurs um die Autorenschaft ins Rollen bringen. Ihr Entwurf ist also nicht Ausdruck einer eigenen Idee oder einer persönlichen Empfindung, sondern soll vielmehr die Position des Autors im kreativen Prozess in Frage stellen.

 

Handfeste Konzepte
Trix + Robert Haussmann präsentieren in Zusammenarbeit mit Niels Olsen und Fredi Fischli vom Atelier Studiolo eine Variation von Sperrholzquadern. Diesen scheint je eine Ecke zu fehlen. Die Arbeit reiht sich in die Suche der Haussmanns nach «räumlichen Mustern» in Bezug auf einen von ihnen genannten «Manierismo Critico» ein. In den an der Design Miami/Basel ausgestellten sechs Holzboxen wurden die Prinzipien und architektonischen Konzepte, welche Trix und Robert Haussmann verfolgen, dinghaft – so die Kuratoren von Maniera.

 

Handgeknüpfte Narrationen
Auf seiner Reise durch Nepal entdeckte der Künstler Christoph Hefti den Wert einer direkten Interaktion zwischen Designer und Handwerker wieder. Fasziniert vom Handwerk möchte er traditionelle Werkstücke zeitgemäss neu interpretieren. In Nepal gestaltet er  eigene Textilien, die geheimnisvolle und spirituelle Geschichten erzählen sollen.

 

Schnittmengen bergen?

In den Augen von Amaryllis Jacobs und Kwinten Lavigne sind Architektur und bildende Künste nah verwandt. In der Ausstellung Maniera sollen die Gemeinsamkeiten der Disziplinen in Gestalt eines Möbelstücks destilliert werden. Design und Architektur, sagen sie, würden dann in diesen Objekten verschmelzen. Die Kunstschaffenden waren indes frei in der Wahl eines übergeordneten Themas für ihre Möbelserien. Schnittmengen zwischen den drei Entwürfen in Basel sind dementsprechend nur im weitesten Sinne – und womöglich zufällig – erkennbar. Diese von den Kuratoren aufgeworfene und vielschichtige Frage nach den Bezügen zwischen Architektur und Kunst, bleibt ganz dem Betrachter überlassen. 

 

Maniera ist vom 13. bis 18. Juni 2017 im Rahmen der Design Miami/Basel in der Halle 1 Süd auf der Messe Basel zu sehen.

 

> In archithese 1.2017 Swiss Performance werden zwei neue Projekte von Christ & Gantenbein vorgestellt. Elias Baumgarten schreibt über die Erweiterung des Landesmuseums in Zürich und Anne-Dorothée Herbort über die des Kunstmuseums in Basel.

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