archithese - member of bsmediagroup

archithese ist die führende Architekturzeitschrift der Schweiz und erschient 6x jährlich im Verlag Niggli

   
 
 

2001 – 2010

1991 – 2000

1981 – 1990

1971 – 1980

4.2009
zurück ins Archiv
Luxemburg

Dominique Perrault: Europäischer Gerichtshof
Architekturentwicklung in Luxemburg seit 1900
Historische und urbanistische Entwicklung
Stadtplanung im Nationalsozialismus
L’Aménagement du Plateau de Kirchberg
Aktueller Masterplan für das Kirchberg-Plateau
Christian de Portzamparc: Philharmonie Luxemburg
Jim Clemes: Hotel Meliã
Ingenhoven Architekten: Europäische Investitionsbank
Ieoh Ming Pei: MUDAM
Casino Luxembourg – Forum d,art contemporain
Esch-Belval: Luxemburgs Süden erfindet sich neu
Pavillons in Esch
Überblick zeitgenössischer Architektur in Luxemburg
Blick auf Luxemburg aus der Distanz:
Ein Gespräch mit Rob Krier

 

 

 

Luxemburg liegt zwar im Herzen Europas, wird aber als Staat von seinen robuster auftretenden Nachbarn gerne übersehen. Das gilt auch für die Architektur des Landes: Seit jeher haben Importe von aussen das Baugeschehen bestimmt, doch gerade in den letzten Jahren konnte sich eine Szene etablieren, die auch jenseits der Grenzen Beachtung verdient.
Dass eine in der Schweiz beheimatete Zeitschrift ein ganzes Heft Luxemburg widmet, mag zunächst erklärungsbedürftig sein. Bei näherem Hinsehen gibt es aber durchaus einige Parallelen. Beide Länder haben mehrere offizielle Landessprachen sowie eine dialektale Variante, die von Ort zu Ort variiert (und in Luxemburg Lëtzebuergesch heisst); beide liegen als kleine Staaten an der Grenze zwischen verschiedenen europäischen Kulturräumen; beide hängen in starkem Masse von der Finanzwirtschaft ab und hätten sich unlängst fast auf einer viel zitierten schwarzen Liste wiedergefunden; beide galten im 19. Jahrhundert als von Armut betroffen, haben aber inzwischen den Strukturwandel erfolgreich gemeistert und zählen zu den wohlhabendsten Staaten Europas.

Der wirtschaftliche Aufstieg des Grossherzogtums Luxemburg setzte Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Hüttenwerke im Süden des Landes ein. Eine Spaltung Luxemburgs begann, die immer noch erkennbar ist. Die Bereiche nördlich der Hauptstadt sind bis heute waldreich und dünn besiedelt geblieben, während die Montanindustrie zu Verstädterungsphänomen des südlichen Landesteils um die Städte Esch-sur-Alzette, Dudelange und Differdange beigetragen hat. Da der Bedarf an Arbeitskräften im Inland nicht befriedigt werden konnte, rekrutierte man im Ausland: zunächst in Deutschland, dann in Italien und schliesslich in Portugal. Heute liegt der Einwandereranteil an der Gesamtbevölkerung bei 42 Prozent. Einige wenige Stahlwerkstandorte sind noch in Betrieb, doch die grossen Areale sind seit Mitte der Siebzigerjahre zu Brachen geworden. Gleichwohl hat der Strukturwandel nur temporär zu Problemen geführt. Im Rahmen des Zuwachses der Europäischen Staatengemeinschaft konnte sich Luxemburg-Stadt neben Brüssel und Strassburg als eine der drei europäischen Hauptstädte etablieren. Die komplexe Planungsgeschichte des Kirchberg-Plateaus, auf dem nicht nur die Europabauten, sondern auch die Bankniederlassungen entstanden sind, ist einer der Schwerpunkte dieses Heftes. Der Finanzplatz verantwortete – zumindest bis zur Wirtschaftskrise – ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts.



© archithese – Kontakt | Design: Bernet + Schönenberger und Nicola Winzer