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archithese ist die führende Architekturzeitschrift der Schweiz und erschient 6x jährlich im Verlag Niggli

   
 
 

2001 – 2010

1991 – 2000

1981 – 1990

1971 – 1980

2.2009
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Sakrale Räume

Sakralität: was sie ist und ausmacht
Das Sakrale im Profanen – und umgekehrt
Zeitgenössischer Kirchenbau in Deutschland
SOM: Cathedral of Christ the Light
Venturi, Scott Brown: Episcopal Academy Chapel
Daniele Marques: St. Franziskus, Uetikon am See
Kirchenbau und Moderne
Aktuelle Umnutzungskonzepte für Kirchen
Sakraler Raum als Ort sozialer Interaktion
Synagogenarchitektur in Europa, Israel und den USA
Manuel Herz: Mainzer Synagoge
Moscheen in der Diaspora
KSP Engel und Zimmermann: Mosquée d`Algérie
Grabmal von F.C. Gundlach, Hamburg

 

 

 

Der Andachtsraum im Flughafen Zürich ist dunkel, irgendwo in der Tiefe des Terminals verborgen. Embleme der Weltreligionen lassen sich projizieren, sodass der Raum der Konfession der Besucher entsprechend erhellt werden kann. Reisen, Fliegen vor allem, ist – bei aller Alltäglichkeit – mit religiösen Vorstellungen verbunden. Vor einigen Jahren legten MVRDV den Vorschlag vor, einen neuen Friedhof mit dem Bild einer Startbahn zu strukturieren – als zeitgemässes Symbol für die Ewigkeit.

Der unspektakuläre Raum in Kloten aber zeigt vor allem, dass es für einen sak-ralen Raum eigentlich weniger raumbestimmender Dinge bedarf. In der Diaspora oder in ihren frühen Phasen haben die monotheistischen Religionen mit völlig unspektakulären Räumen leben können. Dennoch haben wohl die meisten Menschen andere Vorstellungen, wenn es um sakrale Räume geht. Der Kölner Dom, die Altneuschul-Synagoge in Prag oder die Hagia Sophia in Istanbul können als Inbegriffe sakraler Architektur gelten.

Räume, die sakrale Stimmungen evozieren, müssen offenkundig keine religiös genutzten Räume sein. Man spricht von Musen-, gar Konsumtempeln, man pilgert in die Felsentherme Vals, und alles, was zeitgeistig und trendig ist, gilt als «Kult». Nicht mehr konfessionell gebundene Spiritualität findet neue Orte für die Liturgie des Alltags.

Im kirchlichen Kontext zeigt sich diese Tendenz in zwei gegenläufigen Richtungen: Während in Mitteleuropa die traditionellen kirchlichen Institutionen an Mitgliederschwund leiden – was erhebliche Folgen für den Umgang mit den Liegenschaften hat –, können Freikirchen Zuwächse verbuchen. Insofern ist die Orientierung von Papst Benedikt XVI., der eine Annäherung an die Ostkirche sucht und Entscheidungen des Zweiten Vatikanums zumindest zur Diskussion stellt, als Reaktion durchaus verständlich: Selbst dezidierte Atheisten vermögen der Zelebration einer lateinischen Messe durchaus etwas abzugewinnen. Und im Bereich der evangelischen Kirche stossen genau jene Kirchenbauten am stärksten auf Ablehnung, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts nach dem Vorbild des multifunktionalen Gemeindezentrums die Schwellenangst aufheben sollten.

Am Ende geht es um Symbolik, und Profanes und Sakrales finden nicht unbedingt in Harmonie zueinander. Die Debatte um die Gerhard-Richter-Fenster im Kölner Dom ist dafür ebenso ein Beispiel wie der Moscheen-Streit in Deutschland oder die Minarett-Initiative in der Schweiz.

Rubrik
Bucher Bründler Wohnhaus Sevogelstrasse, Basel
Valerio Olgiati Nationalparkzentrum, Zernez



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