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archithese ist die führende Architekturzeitschrift der Schweiz und erschient 6x jährlich im Verlag Niggli

   
 
 

2001 – 2010

1991 – 2000

1981 – 1990

1971 – 1980

5.2005
Was ist Schönheit
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Wiederkehr der Schönheit?
Die Zukunft des Schönen
Interview mit Helmut Federle
Städtevideos von Annelies Strba
Reality-Shows perfektionieren den Menschen
Ästhetisches Werturteil von Architekten und Laien
Die architektonische Ästhetik des Neo-Liberalismus

Bauten und Projekte: Sanaksenaho Architects,
Diener & Diener, Gerold Wiederin, smarch

 

Ein seltsames Phänomen: Heutzutage gilt es in Fachkreisen als nachgerade degoutant, von «schöner Architektur» zu sprechen. Architekten und Kritiker sind sich einig darüber, dass Räume spannungsvoll oder interessant sind, kaum jemand aber nähme das Adjektiv schön in den Mund. Eine Kategorie, die als venustas über Jahrzehnte den architekonischen Diskurs geprägt hat, ist marginalisiert, wenn nicht tabuisiert.

Ohne Zweifel ist dieses Phänomen ein Resultat fachinterner Diskurse, welche die Bestimmungen und Funktionszuweisungen von Architektur grundlegend verändert haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann sich die architektonische Moderne in Abkehr vom Eklektizismus zu formieren. Und das bedeutete auch: in Abkehr von der bisherigen, von der Beaux-Arts-Tradition bestimmten Ausbildung. Die Universitäten, die nun zu den wichtigen Ausbildungsstätten avancierten, waren technisch ausgerichtet, und die Debatte um die Schönheit wich anderen Fragen – etwa der, wie Architektur auf die Anforderungen der Gesellschaft zu reagieren habe. Nicht, dass die Frage nach dem Schönen nicht weiterhin für den Entwurfsprozess von Bedeutung gewesen wäre – nur diskutiert wurde sie kaum. Schönheit war als Luxusphänomen verdächtig. Erst der Postmoderne gelang es, das alte Thema erneut aufzugreifen – wenn auch nunmehr ironisch gebrochen. Nachhaltig geändert aber hat sich nichts. Schönheit in der Architektur ist weiterhin ein Tabu.

Ausgangspunkt für dieses Heft bildete die Erkenntnis, dass sich das, was für den Sektor Architektur zutrifft, in anderen Bereichen deutlich anders darstellt. Gerade in der Populärkultur ist die Suche nach dem Schönen derzeit virulent: Sendungen wie The Swan basieren auf der nicht in Frage gestellten Übereinkunft, dass ein breit akzeptiertes Schönheitsideal existiert. Webpages, bei denen Besucher die Fotos anderer Menschen bewerten, zeugen von dem fast manischen Wunsch, durch Zusicherung von Schönheit das Ego zu stabilisieren. Und, fragt man das breite Publikum, so besteht – wie Jörg Seifert schreibt – durchaus eine Vorstellung davon, was schöne Architektur sei, auch wenn das der Fachöffentlichkeit meist nicht gefällt.

Wahrscheinlich ist es in der Kunst leichter, über Ästhetik zu sprechen, und so werden mit Annelies Strba, Adrian Schiess und Helmut Federle in diesem Heft drei Künstler präsentiert, die sich in ihren Œuvres seit langem mit Schönheit auseinander setzen. Vor allem aber wird eines in den Farbflächen von Schiess und den Städtevideos von Strba deutlich: dass Schönheit seit jeher mit Ambivalenz verbunden ist und bedrohlich werden kann. Die Kategorie des Erhabenen erhält hier neuerliche Aktualität.

Die beiden Sakralbauten, die wir vorstellen, zeigen, wie unterschiedlich Schönheit bei einer identischen Bauaufgabe verstanden werden kann. Und wie unterschiedlich Schönheit im zeitgenössischen kulturphilosophischen Diskurs verortet wird, dokumentieren die beiden theoretischen Beiträge von Wolfgang Welsch und Beat Wyss, die das Gerüst dieses Heftes bilden. Dazu tritt der abschliessende Essay von Friedrich von Borries und Matthias Böttger mit dem Postulat eines Begriffs, den die Autoren Peter Weiss entlehnt haben: einer nötigen «Ästhetik des Widerstands», auch für die Architektur.

Rubriken
Daniele Marques Haus am Vierwaldstättersee
sauerbruch hutton Umweltbundesamt, Dessau



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