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In den
Bergen bauen – Kontinuität eines Diskurses
St. Moritz existiert nicht
Vorwärts zur Natur? Die Urbanität alpiner Regionen
Alpine Moderne in Tirol und Südtirol
Bauten und Projekte: Herzog & de Meuron,
UN Studio, Miller & Maranta, Hans-Jörg Ruch,
Jürg Conzett, Mario Botta, Matteo Thun
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Als Gottfried Semper die Villa Garbald für Castasegna
entwarf, interessiert es ihn wenig, wie man denn eigentlich im Bergell
zu bauen hätte. Er wählte ein Vorbild, das in der Zeit
modisch war und auch an anderem Ort und in anderer Landschaft hätte
errichtet werden können: ein italienisches Landhaus. Erst gegen
1900 wurde die Frage gestellt, ob es einen den Bergen angemessenen
Baustil geben könne. Die Protagonisten des Schweizer Heimatschutzes
verwahrten sich gegen den als fremd empfundenen Importstil der Hotelpaläste
von St. Moritz und suchten eine Verbindung zu ortsspezifischen Bautraditionen,
und Adolf Loos stellte wenig später seine Regeln für den,
der in den Bergen baut auf.
Allerdings: Auch der Heimatschutz trat erst auf den Plan, als die
Tradition längst bedroht, wenn nicht gar abgerissen war. Und
Natur und ländliches Leben sind seit der Romantik zunächst
ohnehin Konstrukte. Der Blick auf die Bergwelt und damit die Frage,
wie man dort bauen sollte, ist somit stark von ideologischen Einstellungen
geprägt – bis heute.
Loos’ Diktum, in den Bergen nicht malerisch zu bauen, mag
man akzeptieren. Aber was spricht gegen die von Loos verdammte Vertikale?
Ist ein Hochhausprojekt, wie es Herzog & de Meuron für
die Schatzalp in Davos vorschlagen, ein gangbarer Weg oder ein falscher?
Passen die Projekte, die UN Studio oder Norman Foster in Davos oder
Zuoz realisiert haben, in die Landschaft oder nicht? Und warum eigentlich
sollte der Erweiterungsbau der Villa Garbald, der sich auf Vogelfangtürme
in Norditalien beruft, authentischer sein?
Allerdings führen ästhetische Fragen, so interessant
sie auch sein mögen, nur bedingt weiter. Es wird viel gebaut
in den Bergen, vor allem in Orten wie St. Moritz. Bauland in attraktiven
Orten ist gefragt, Ferienwohnungen, die grosse Teile des Jahres
leer stehen, prägen viele Siedlungsbereiche. Bleibt die Nachfrage
von aussen nach temporären Domizilen auch ungebrochen, so siedeln
mehr und mehr permanente Bewohner der Alpenregionen in die Städte
ab. Marcel Meili und das ETH Studio Basel stellen daher die Frage,
ob die dauerhafte Besiedlung des hochalpinen Raums ökonomisch
und ökologisch vertretbar ist.
Dass auch die Tourismusindustrie selbst in die Krise geraten ist,
offenbaren die sinkenden Belegungszahlen vieler Beherbergungsbetriebe.
Es gilt, sich umzuorientieren und auf eine andere Form des Tourismus
zu setzen. Projekte wie das Ecomuseum Viamala, der Umbau des Hotels
Castell in Zuoz oder das Projekt für das Haus Piz Tschütt
in Vnà zeigen ein neues Bewusstsein für eine Balance
von Natur, Kultur und Tourismus – und wären wohl ohne
das erfolgreiche Vorbild der Therme Vals kaum vorstellbar. Es sind
diese vergleichsweise kleinen Projekte, die Hoffnung geben, auch
wenn sie an der Grundproblematik der alpinen Besiedlung nur wenig
zu rühren vermögen.
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