Nachhaltigkeit, ökologisches Bauen, Energieeffizienz
und Solararchitektur sind
salonfähig geworden; aus dem Architekturdiskurs sind sie, zumindest
in Westeuropa, nicht mehr wegzudenken. Ob sich hinter diesen eifrig
wiederholten Begriffen Lippenbekenntnisse trendbewusster Politiker
oder ernsthafte Forschungsergebnisse engagierter Baufachleute verbergen,
ist nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich. Was dagegen auffällt,
ist das Misstrauen vieler Architektinnen und Architekten gegenüber
Themen des ökologischen Bauens, als würde sich dieses auf
das Erstellen plumper Einfamilienhaus-Holzkisten in der Peripherie
beschränken und auf die Addition formloser Wintergärten,
dicker Isolationsschichten und zusammenhanglos angebrachter Sonnenkollektoren.
Architektonische Qualität und die Berücksichtigung ökologischer
Zusammenhänge werden häufig als unvereinbare Gegensätze
empfunden – und es ist auch nicht zu leugnen, dass bei der
Erstellung der ersten experimentellen Kleinobjekte technischen Fragen
mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden ist als architektonischen.
Doch
in den letzten Jahren hat sich auf diesem Gebiet Einiges bewegt.
Heute gibt es sowohl Neubauten als auch historische Gebäude,
welche ohne Einbusse an gestalterischer Qualität strengste
Energiestandards erfüllen – sei es, weil die entsprechende
Technik unfauffällig
in die Architektur integriert ist, sei es, weil die neue technische
Ausrüstung auch neuartige Entwürfe generiert. Der Blickwinkel
hat sich geweitet: weg vom missionarischen, totalitären Anspruch
zu einer differenzierten Betrachtungsweise in grösseren Zusammenhängen.
Mittlerweile sind städtebauliche und soziale Probleme, der
Zusammenhang von Ideologie und Formensprache, der Gegensatz von
technischer Innovation und traditioneller
Gestaltung vieldiskutierte Themen. Und auch die Frage nach einem
neuen «Ökolook» in der Architektur taucht auf.
Dieses
Heft hat sich zum Ziel gesetzt, eine Einführung in die
vielfältigen Themen des ökologischen Bauens zu verschaffen.
Es soll also nicht um die Vertiefung einzelner technischer Aspekte
gehen, sondern darum, die Komplexität der Aufgabe aufzuzeigen
und Anregungen zu geben. Ein kurzes, thematisch geordnetes Glossar
von Peter Dransfeld definiert und klärt die wichtigsten verwendeten
Begriffe. Hansruedi Preisig und Katrin Pfäffli erörtern
anhand zweier Beispiele, was Nachhaltigkeit in einem umfassenden
Sinn im Bau bedeuten könnte. Christoph Gunsser und Dirk Althaus
diskutieren bestehende beziehungsweise visionäre Siedlungsmodelle,
René L. Frey untersucht die städtebauliche Entwicklung
der Schweiz aus der Perspektive des Ökonomen. Dietmar Eberle
weist auf die vielen Widersprüche und Chancen der ökologischen
Architektur hin, warnt vor voreiligen Schlüssen und plädiert
für den Versuch, technische Innovationen mit der kulturellen
Dimension des Bauens in Einklang zu bringen. Parallel zu den theoretischen
Beiträgen werden historische Beispiele und aktuelle Bauten
aus der Schweiz, Deutschland, USA und den Niederlanden vorgestellt.
Rubriken
Romero & Schaefle Mehrfamilienhäuser, Dübendorf
De Architectengroep Öffentliches Teehaus,
Rheten NL |