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archithese - die Architekturzeitschrift der Schweiz erscheint 6x jährlich im Niggli Verlag

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2.2013    
Age of Cool

Cool: Wagnis einer Definition
Vom Dandy des 19. bis zum Hipster des 21. Jahrhunderts
Martini Modernism: Los Angeles und die Fünfzigerjahre
A conversation with Dion Neutra
Ezra Stoller’s Industrial Cool
Nietzsche und das Pathos der Distanz
Rino Tamis Cinema Corso in Lugano
Über den Degré Zero und Graue Architektur
Von der Neuen Sachlichkeit zur autogerechten Stadt
Das Schwabylon in München
Stadtumbau in Berlin City West
Bonjour Tristesse: Wie cool ist die Pappelallee?
Architektur und Street Art
Ein Gespräch mit Rafael Horzon und Mathias Rust

Preston Scott Cohen: Erweiterung des Museum of Art,
Tel Aviv
Delugan Meissl Associated Architects: Tiroler
Festspielhaus, Erl
prs architects: Mehrfamilienhaus, Lausanne 11

 

«Es gibt gute Gründe, sich gar nicht erst an einer Definition von cool zu versuchen», schreibt Tom Holert in seinem einleitenden Artikel zu dieser archithese. Gleichzeitig gebietet es die Neugier, der Bedeutung häufig verwendeter Begriffe nachzuspüren. Während die Literatur-, Kultur- und Kunstwissenschaften dieses Wagnis seit geraumer Zeit mit Eifer eingehen, verhielt sich die Architekturtheorie und -diskussion bislang äusserst zurückhaltend.

Das vorliegende Heft knüpft an die Vorarbeit der geisteswissenschaftlichen Disziplinen an, welche die Bedeutung des Begriffs insbesondere für die städtische Kultur der Moderne unterstreicht und die mannigfaltigen Wurzeln des Begriffs – sei es die Figur des Dandy im 19. Jahrhundert, die Distanz durch Bewegung und Maskierung in der Neuen Sachlichkeit oder cool als Strategie des passiven Widerstands in der afroamerikanischen Kultur – erkundet.

Der Reichtum an Bezügen und Verknüpfungen zeigt, dass eine Definition im Sinne einer Abgrenzung schwierig ist, zusätzlich behindert durch die stete Verwendung von cool als Ausruf der Bejahung und als Werkzeug des Marketings. Er zeigt aber ebenfalls, dass cool auf sozialer und kultureller Ebene eine zentrale Verhaltenslehre der Moderne ist. Und in der Architektur?

Im Vorschautext zu dieser Ausgabe wird die Komplexität des Bewertungssystems von «Cool» dem der Schönheit und Eleganz als ebenbürtig bezeichnet. Im Vergleich zu diesen klassischen Kategorien der Ästhetik ist cool ein junger Begriff, der seine Legitimation weniger bei den alten Griechen als vielmehr in der heutigen Zeit und jüngsten Vergangenheit sucht.

Cool kann das Hässliche miteinschliessen oder das Schöne verwerfen, zum moralisch aufgeladenen «gut» hält sich der Begriff auf Distanz. Wenn die Eleganz für das Gewählte und Feine steht, dann steht das Coole für distinguierte Grobheit. Dabei erschöpft sich der Begriff jedoch keineswegs allein im Äusserlichen und Oberflächlichen oder im architektonischen shape. Denn das Coole bedingt Virtuosität, indem es nach der Beherrschung der Künste verlangt. Gleichzeitig steht der Begriff als Ausdruck der Beherrschung innerer Regungen für das Nüchtern-Sachliche in der Architektur und findet insbesondere in den Bauten der Fünfziger- und Sechzigerjahre seinen räumlichen Ausdruck. Doch vieles, was aus heutiger Sicht cool erscheint, entstand durch kreative Hitze. Erst Fotografie und Mediatisierung, die Rezeption der Bilder sorgten für kühlende Wirkung und Coolness.

Das vorliegende Heft erkundet die Grundlagen dieser Kältetheorie und erlaubt neue Zusammenhänge herzustellen, welche insbesondere im Rückblick auf das 20. Jahrhundert eine klärende Wirkung haben. So kann zum Beispiel auf Basis des historischen Rückblicks die digitale Architektur der Jahrtausendwende mit ihrem Leitbild einer globalen Kultur, mit ihrem Fokus auf den räumlich reibungslosen Fluss im Entwurf wie im Leben des Architekten, mit dem Computer als distanzierendes Element zwischen Mensch und Entwurf, als neo-neusachliche Spätmoderne bezeichnet werden, deren Produkte daher völlig zu Recht als cool bezeichnet werden.

Nicht jeder mag diese Einschätzung teilen und so hat auch Coolness viele Gegner. Mit den nachfolgenden Ausgaben des Jahres erkundet archithese, wie das Material in der (digitalen) Architektur an Bedeutung gewinnt (3.2013, «Weak ­Materiality»), Reformbewegungen die Konzepte des 19. Jahrhunderts wiederentdecken (4.2013, «Pre modern is post modern») und Mensch wie Natur zu neuem Stellenwert gelangen (6.2013, «Natur»).

Doch bevor archithese zur Erwärmung beiträgt, folgen wir den Worten des ­architekturaffinen Rappers Jay Z aus On to the next one:

«I move onward the only direction; hold up, freeze, hey.»


Die Redaktion



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