archithese - member of bsmediagroup

archithese - die Architekturzeitschrift der Schweiz erscheint 6x jährlich im niggli Verlag

Logo Niggli
   
 
 

4.2014    
Empire State of Real Estate:
Architektur lukrativer ­Spekulationen

Immobilien: Globalisierung des Örtlichen
Monopoly – Spiel und Stadtutopie
Daniel Burnham und die Mechanismen des Real Estate
Interviews mit: «We Are Content», Wojciech Kotecki und Marcin Kwietowicz sowie Müller Sigrist Architekten
Welche Faktoren prägen die Skylines unserer Städte?
Zur Ökonomisierung des Urbanen in der Schweiz
Land Speculation in Turkey
Strategien und Spuren der Mafia im Baugewerbe
Design Adventures in Ad-Hoc Urbanism in Greece
Economies of Scale: Skaleneffekte als Treiber
Redevelop – Renaissance der Bestandsentwicklung
Sanierung und Nutzung von Schrottimmobilien
Wa(h)re Architektur
Hongkong: Materialisierte Ökonomie

Vier Bücher zur Architektur im (und gegen den) Kapitalismus

Tod Williams Billie Tsien Architects: Asia Society in Hongkong
ROBERTNEUN™: Lokdepot in Berlin

 

Die Jahre der Finanz- und Immobilienkrise scheinen überwunden, liest man die Nachrichten über die langsame Erholung der Volkswirtschaften und die wieder steigenden Immobilienpreise – wie zuletzt in Grossbritannien oder Irland. Dennoch verleiten die positiven Zahlen zur Skepsis. Der aktuelle Boom auf dem Real-Estate-Markt basiert nach wie vor auf der Politik des billigen Geldes der Kreditinstitute und auf dubiosen Bankenprodukten. Zudem wird er durch die nach wie vor fehlende Finanzmarktregulierung unterstützt. Sind das die Vorboten einer neuen Spekulationsblase? Die letzte Krise, so ist festzustellen, hat unlängst auch zu einer urbanen Krise geführt, deren Folgen baulich manifestiert sind. Alles eine Frage des Risikos? Architektur und Immobilienwirtschaft spekulieren im Grunde auf die Zukunft und mögen daher eine gewisse Risikobereitschaft teilen. Umso ernüchternder fällt die Bilanz der Gegenwartsarchitektur aus, misst man sie am Gehalt des Spekulativen – whatever works best!

Längst haben die Spielregeln der Immobilienwirtschaft Einzug in die Architekturbüros genommen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren die Präsenz der Architektenschaft auf den grossen Eventbühnen des Real Estate – wie der MIPIM in Cannes oder der Expo Real in München – sogar mit eigenem Messepavillon wie etwa von World-Architects zugenommen hat. Diese Eventorte spiegeln die spezielle Welt des Immobiliensektors mit seinen Gesetzen, Werten, Codes und einer eigenen Sprache wider und demonstrieren die gegenwärtige Meinungs- und Definitionshoheit über die Architektur abseits der eigentlichen Profession.

Wer sind dabei die tonangebenden Akteure, welche Interessen verfolgen sie und was sind ihre Spielregeln? Welche Beziehung ergibt sich daraus zwischen Architekten, Bauindustrie, Developern, und was bedeutet dies für eine zukünftige Architekturpraxis?

Wie entwickeln sich Städte wie Istanbul und Warschau, die einem gegenwärtigen Bauboom der Investmentfonds ausgesetzt sind? Griechenlands Hauptstadt Athen spürt im Vergleich die Folgen der Krise und hadert mit dem Erbe der White Elephants – den Investruinen der letzten Jahrzehnte. Trotz Verlust der politischen und wirtschaftlichen Investitionskraft entwickeln sich neue Konzepte zum Stadtumbau. In beiden Fällen stellt sich die Frage: Was und für wen wird gebaut – alles eine Sache der Klientel? Hängt von ihrem Status wie im Fall der vanity height im Hochhausbau die Wirtschaftlichkeit der Immobilie ab? Was passiert im Gegenzug mit sogenannten Horrorhäusern (Tatorte von Verbrechen) oder Schrottimmobilien, die aus Renditeversagen nicht mehr so recht ins Hochglanzportfolio passen? Bieten die ­Konzepte der Bastelhäuser aus Rotterdam oder das Syndikatsmodell zur Wiederbelebung des leer stehenden Bestands jenseits etwaiger Spekulation hierzu einen Lösungsvorschlag?

Hilft der kalte Entzug vom Wohnungsmarkt, oder gibt es Modelle, die das kurzfristige Rendite­streben durch ein ganzheitliches und langfristiges Denken ersetzen können?
In dieser Ausgabe setzen wir uns mit den Bedingungen und Mechanismen des Real Estate auseinander und hinterfragen diese kritisch. Dabei ist uns durchaus bewusst, dass dies nur einen Einstieg in einen länger zu führenden Diskurs bilden kann. Es stellt zudem den Versuch dar, die komplexe Thematik für die Architekturtheorie und -kritik zur Bestimmung einer Gegenwartsarchitektur wieder zu erschliessen. No risk, no fun.


Die Redaktion



Aktuelle Ausgabe bestellen (Schweiz und Fürstentum Lichtenstein) | archithese abonnieren Aktuelle Ausgabe bestellen (Kunden wohnhaft ausserhalb der Schweiz)



© archithese – Kontakt | Design: Bernet + Schönenberger und Nicola Winzer